Die Apokalypse kommt erst noch

Seit Jahrzehnten wissen wir, dass sich das Klima ungewöhnlich schnell verändert. Wir wissen, dass uns nur noch wenig Zeit bleibt, um das Leben wie wir es kennen, zu retten. Aber es passiert viel zu wenig. Seit Jahren gehen Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, auf die Straße und kämpfen um ihre Zukunft. Aber sein wir ehrlich: Es hört uns keiner zu. Hier und da wird sich in den älteren Generationen gefreut, dass wir unsere Stimme gefunden haben. Als würden sie bewundern, dass wir so schnell erwachsen werden. Und dabei wird einfach nicht verstanden, dass es hier nicht um eine einfache politische Entscheidung geht, mit der wir unzufrieden sind. Es geht um unser Leben.

Trotz aller Proteste, die von den ach so besorgten Politiker*innen als Schulschwänzen abgetan werden, steuern wir weiter sehenden Auges auf das Worst Case Szenario zu. Aktivist*innen werden zu Reden eingeladen, auf denen keiner zuhört, sondern sie für Selfies haben will, während man sich am Büffet nebenan weiter Buletten und Steaks reinzieht. Während wir um unsere Existenz bangen.

Wir haben nicht den Luxus zu sterben, bevor alles den Bach runtergeht. In unserer Lebenszeit werden Kriege um Wasser, Nahrung und Land zum Überleben ausbrechen, es wird Zeiten geben, in denen wir sehnsüchtig an das Jahr 2020 denken, in dem noch alles in Ordnung war. Da hatten wir wenigstens unsere Ruhe. Die wirkliche Apokalypse kam erst danach. Sommer, die die Hitzewellen von heute kühl dastehen lassen werden, Ernteausfälle wegen anhaltender Dürren, heftige Überflutungen und unzählige dadurch folgende Todesopfer. Hier in Europa. Über den Zulauf, den die (Ultra-)Rechten wegen der vielen Klimaflüchtlinge bekommen werden, möchte man gar nicht erst nachdenken.

Und scheiß auf Freiwilligkeit, positives Denken und Visionen von einer besseren Zukunft. Wenn es so weitergeht, wenn diese Krise weiterhin betrachtet wird, als könnte man sie aufschieben, bis wir alt genug sind, um uns selbst darum zu kümmern, dann können wir damit auch nichts mehr anfangen. Das werden nur noch leere Worthülsen sein, mit denen wir uns zu beruhigen versuchten.

Während manche Leute versuchen, an dem festzuhalten, was sie „schon immer so gemacht haben“, versuchen wir die Zukunft zu retten, die uns von denen versprochen wurde, die sie gerade zerstören. Soll auf den unseren Gräbern und auf denen unserer Kinder wirklich stehen „Geopfert für den Erhalt der Wirtschaft und der Bequemlichkeit“?

Ich will mich nicht beruhigen. Ich will das sich die Leute mit uns aufregen und endlich wirklich entschieden dafür sorgen, dass wir die Chance auf ein gutes Leben nicht verspielen, bevor es wirklich angefangen hat. Und so beschissen es ist, das geht nicht ohne radikale Umbrüche, nicht ohne ein wenig Unbequemlichkeit zwischen drin. Denn unser Lebensstil wird uns eher auf kurze als auf lange Sicht umbringen.

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